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Mitten in Peking wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Schnell legt die Pekinger Polizei den Fall als „Selbstmord“ zu den Akten. Peter Falk kann sich damit nicht zufrieden geben. In Peking beginnt er, sich auf die Suche nach dem Mörder seiner Schwester zu machen.

Bei seiner Spurensuche in Peking wird Falk von dem Polen unterstützt:

Auf die Minute genau um halb neun höre ich den Polen die Tür zu meinem Buchladen öffnen. Er ist kein Pole. Ich nenne ihn nur so,weil er der Einzige ist, der polnische Gedichte liest. Er kommt täglich, wenn ich den Buchladen schließe. Wie heute. Es ist seine Uhrzeit. Wir spielen eine Partie Schach. Er trinkt Rotwein. Ich Bier. Er gewinnt. Jeden Tag.

Heute höre ich seine Stimme wie aus weiter Ferne. Ich verstehe kein Wort. Er lacht. Am liebsten lacht er über seine eigenen Witze. Wir spielen mit deinem Spiel. Er murmelt etwas von einer Igor Variante.
Nach zwei Stunden, einer Flasche Rotwein und drei Flaschen Bier lege ich meinen König auf die Seite.
„Du wirst es nie lernen.“
Vor dem Buchladen rauchen wir noch eine Papyrossi. Sein Vorrat an diesen Zigaretten ist unerschöpflich. Er sieht auf seine Uhr. Etwas scheint ihn zu ärgern. Energisch wirft er die halbaufgerauchte Zigarette auf den Bürgersteig.
„Kauf dir mal ein neues Auto.“
Der Pole wirft einen verzweifelten Blick auf meinen schwarzen Fiat Panda.
„Ich muss gehen.“
Ich sehe ihm hinterher. Er geht schnell, von einer unsichtbaren Energie getrieben.

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test

bla bla

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Spurensuche in Peking

风潇潇兮,易水寒,壮士一去不复返。

Trotz schneidendem Wind und kaltem Wasser des Yi-Flusses

geht der Held und kehrt nicht um.

 

 

 

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Xiaojingchang Hutong

Hutongs

(chin. 衚衕 / 胡同, hútong)

Hutongs sind enge Gassen, die in Peking bis in die 1990er Jahre hinein eine der vorherrschenden traditionellen Wohnbebauungen waren.

Hutong ist ein mongolisches Wort (ursprünglich hottog), das so viel wie Quelle bedeutete, da die Bewohner dieser Hutongs oft in der Nähe eines Brunnens wohnten.

In den Hutongs Pekings sieht man noch die traditionellen Wohnhöfe (Siheyuan). Heute (2005) gibt es in Peking noch etwa dreitausend Hutongs, in denen fast die Hälfte der Stadtbewohner lebt. Sie werden aber auf Grund der Umgestaltung des Stadtzentrums zunehmend seltener. Auf der Fläche eines Hutongs mit der meist einstöckigen Bebauung lassen sich in moderner verdichteter Geschossbauweise wesentlich mehr Wohnungen unterbringen. Es ist abzusehen, dass schon in wenigen Jahren kaum noch originale Hutongs im Stadtzentrum anzutreffen sein werden, vermutlich jedoch bald als Museumsdorf zu besichtigen sein dürften. Andererseits ist eine Tendenz zu erkennen, neue Hutongs im alten Stil aufzubauen bzw. alte Hutongs zu bewahren.

Im alten China waren die Hutongs der Inbegriff einer Gasse.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Hutong

 

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Hutong Bilder




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Der Anfang

Als Peter Falk am Grab seiner Schwester einen Kranz mit chinesischen Schriftzeichen entdeckt, beginnt seine Suche:

Ich will gehen. Mein Blick schweift in der Bewegung noch einmal über dich hinweg. Einer der Kränze passt nicht ins Bild. Auf der weißen Schleife stehen Schriftzeichen. In schwarz, wie mit einem Pinsel aufgetragen. Ich werde mir deinen Kranz ausleihen. Nur für eine Nacht.

Auch Leo, die beste Freundin der Schwester, scheint Falk nicht helfen zu können, die Schriftzeichen zu übersetzen:

Um die Tür aufzuschließen, muss ich den Kranz auf den Boden stellen. Es fällt mir schwer, ihn loszulassen.

„Peter?“

Auf einmal steht sie neben mir. Stiefel. Jeans. T-Shirt, Lederjacke. Sie ist fast so groß wie ich. Kurze, schwarze Haare. Ihr Pony ist schräg geschnitten. Die Schnittkante ist messerscharf und fällt von oben links nach unten rechts. Sie könnte in deinem Alter sein. 28. Ein kleiner Ring durchsticht ihre linke Augenbraue.

„Ich habe im Auto gewartet.“

Sie zeigt nach hinten. Ich folge ihrem Blick und sehe einen alten Mercedes, der auch von dir hätte sein können.

„Ich bin Leo.“

Ich erinnere mich. Ich bin mit ihr verabredet. Eine Freundin von dir.

„Tut mir leid.“

Ich klopfe meine Taschen ab, um den Schlüssel zu finden, bis ich sehe, dass er schon im Schloss steckt. Ich beobachte Leo in der Spiegelung der Glastüre. Sie dreht sich von mir weg. Starrt nach hinten. Vielleicht will sie sich nur vergewissern, ob ihr Auto noch da ist. Ob sie das Licht ausgemacht hat. Ob die Wirklichkeit noch so ist, wie in ihrer Erinnerung. Ich hebe den Kranz auf und warte, bis sie zurückgekommen ist in meine Welt. Ihren Blick trübt ein Ausdruck, der mir vorher nicht aufgefallen ist: Angst, Verzweiflung. Dann hat sie sich wieder im Griff.

„Dein Buchladen?“

Neugierig. Es klingt nicht abwertend, wie du es gesagt hättest. Du hast mir vorgeworfen, dass ich mich hinter den Büchern vor der Welt verstecke. Vielleicht ist das meine Flucht. So wie du es Zuhause nicht mehr ausgehalten hast. Chronisches Fernweh. Unheilbar. Die Welt, die du dort draußen gesucht hast, habe ich in meinen Büchern gefunden. Bis irgend jemand dich aus diesem Leben genommen hat.

Der Lichtschalter ist defekt. Im Licht der Straßenlaterne wirkt der Raum ruhig. Die Dämmerung nimmt ihm die Verstörtheit der Geschichten, von denen die Bücher erzählen. Eine Unterwasserlandschaft. Wie die Überreste eines versunkenen Schiffs treiben die Regale in der Dämmerung. An der Wendeltreppe fällt mir auf, dass Leo stehen geblieben ist. Mit ausgestreckter Hand streicht sie über die Buchrücken.
„Hatte ich schon ganz vergessen, dass es das gibt.“
Sie zieht ein großformatiges Buch aus dem Regal. Struwwelpeter. Leo blättert sich durch die Seiten. Däumelinchen: mit der großen Schere werden ihm die Daumen abgeschnitten. Der Suppenkaspar. Hans-Guck-in-die-Luft, wie er aus dem Fluss gefischt wird.
„Was ist das?“
„Lass mal sehen.“
Auf der Seite steht eine verschmierte Bleistiftzeichnung. Mit der Hand an den Rand geschrieben. Selbst durch Bleistiftstriche verrät sie sich. Annika. Unsere Mutter. Sie hinterließ beim Lesen Kritzeleien in Büchern wie andere Fußabdrücke im Sand.
„Das gehört eigentlich nicht hier in den Buchladen.“
„Wieso?“
„Eine Notiz von meiner Mutter. Ich habe Jördis versprochen, diese Bücher nicht zu verkaufen. Sie hat sie gesammelt.“
„Sieht aus wie … eine chemische Formel?“
„Unsere Mutter war Phytochemikerin.“
„Phyto was?“
„Phytochemikerin. Sie hat mit Heilpflanzen gearbeitet. In der Forschung.“
„In der Forschung. Klingt spannend.“
„Es geht nicht um Spannung. Es geht darum, Menschen zu helfen.“
Wir gehen über die Wendeltreppe nach oben in meine Wohnung.
„Wann bist du gelandet?“
Es klingt wie ein Vorwurf. So ist es auch gemeint.
„Ich hab’s nicht früher geschafft.“
Es lastet auf ihr. Das Gefühl, nicht bei deiner Beerdigung gewesen zu sein. Die Dunkelheit dieser Nacht ist ein Gewicht, das wir beide tragen müssen.
„Du musst müde sein. Wenn du willst, kann ich dich später zum Hotel fahren.“
Sie schüttelt den Kopf und setzt sich. Vielleicht will sie mir und sich selbst beweisen, wie stark sie ist. Sie zieht ihre Lederjacke aus. Wirft sie auf das Sofa, eher wütend als traurig. Ihr T-Shirt verdeckt das Tattoo auf ihrem Arm nur zum Teil. Ein chinesisches Schriftzeichen.
„Was bedeutet das?“
„Klein. Xiao.“
„Vielleicht kannst du mir helfen.“
Ich lege Leo den Kranz vor die Füße, so dass sie die Schriftzeichen lesen kann.
„Kannst du das übersetzen?“
„So gut ist mein Chinesisch jetzt nicht. Ich kann mich zwar unterhalten, aber lesen …“
„Nada? Niente?“
„Mal sehen. Das erste kennst du ja jetzt. Das bedeutet klein. Das dritte wird bu ausgesprochen, eine Art Verneinung. Das vorletzte Zeichen bedeutet groß. Das wird da ausgesprochen.“
„Etwas Grosses und etwas Kleines in einem Satz. Hm. Und der Rest?“
„Sorry. Tut mir leid.“
„Das zweite Zeichen sieht fast aus wie ein Schiff mit zwei Segeln.“
„Vom Grab deiner Schwester?“
„Ja.“
„Warum fragst du nicht den, der den Kranz dort hingelegt hat?“
„Ich weiß nicht, wer das gewesen sein könnte.“
Ihre Hand verschwindet in ihrem Rucksack bis sie kurz darauf wieder mit einer Schachtel Zigaretten und einem Feuerzeug auftaucht. Als sie mir eine anbietet, greife ich zu. Meine erste Zigarette seit drei Jahren. Wir rauchen und schweigen. Zwischen uns auf dem Boden liegt der Kranz.
„… das macht alles keinen Sinn …“
Ihre Stimme ist so leise, dass ich sie kaum verstehe.
„Was ist?“
Sie schüttelt den Kopf. Seltsam steif. Mein Blick fällt auf die chinesischen Schriftzeichen. Etwas Kleines und etwas Grosses. Verbunden durch eine Verneinung: Das Kleine ist nicht groß.
Ich stehe auf.
Als ich mit einer Flasche Rotwein und zwei Gläsern zurück komme, liegt ein Päckchen vor ihr auf dem Sofatisch.
„Das hatte Jördis gekauft. Auf dem Panjiayuan. Ein Flohmarkt in Peking. Für dich.“
Das Päckchen ist in dickes, braunes Papier eingewickelt. Ein rechteckiges Paket, etwa halb so groß wie ein Schuhkarton. Als ich es in die Hand nehme, klappert es. Unter dem braunen Papier kommt ein Schachspiel zum Vorschein. Ich klappe es auf und stelle es zwischen uns auf den Tisch.
„Riech mal“, sagt Leo.
Der Geruch des Schachspiels beginnt sich auszubreiten. So riecht Peking, denke ich. Leo nimmt die Figuren aus dem Schachspiel und dreht das Brett herum.
„Rechts oder links?“
Sie hält mir ihre geschlossenen Fäuste entgegen. Ich entscheide mich für links, weil du Linkshänderin bist. Ich bekomme schwarz.
„Wie lange bleibst du in Deutschland?“
„Ich weiß nicht. Ich muss ein paar Leute treffen. Wegen einer Ausstellung.“
Wir stellen unsere Figuren auf. Leo macht den ersten Zug.
„Jördis war so. Ach, ich weiss auch nicht.“
„Was meinst du damit?“
„Jördis war so glücklich. Das Gefühl hatte ich.“
Auch Leo scheint nicht daran zu glauben, an die Selbstmordtheorie der offiziellen Behörden aus China. Keiner glaubt daran. Dass du dir das Leben genommen hast. So etwas wäre für dich einfach nicht in Frage gekommen.
„Dein Zug.“
Wir lassen uns von dem Spiel mitnehmen. Es ist ein gutes Gefühl. Die Konzentration verdrängt meine Erinnerungen an dich.
Als Leo ihre Zigarette ausdrückt, berührt sie meine Hand. Es fällt mir nicht auf. Erst später werde ich darüber nachdenken. Es gibt keine Zufälle, wie du gesagt hast.
„Ist besser, wenn ich jetzt fahre. Ist spät geworden.“
Ich will, dass sie bleibt. Ich will, dass sie mir von dir erzählt. Dass sie mir von den letzten Stunden mit dir erzählt.
Ich gehe über die Wendeltreppe nach unten. Es dauert nicht lange, bis ich das Buch gefunden habe. Die Stelle ist mit Bleistift markiert:
Das Rechte erkennen und nicht tun ist Mangel an Mut.
Mit dem Buch in der Hand gehe ich zurück nach oben. Das Rechte erkennen und nicht tun ist Mangel an Mut.
Als ich vor Leo stehe, wage ich den Schritt, vor dem ich bisher zurückgeschreckt bin.
„Jördis ist ermordet worden.“
Der Satz schwebt im Raum wie ein verängstigtes Tier. Er weiß nicht, wo er sich verstecken könnte. Leo starrt mich erschrocken an. Der Schmetterling verwandelt sich zurück in eine Raupe.
„Dass Jördis in diesen Kanal gegangen ist, um sich das Leben zu nehmen, in diesen Banga – das ist doch absurd. Oder?“
„Liangma.“
„Was?“
„Der Kanal heißt Liangma. Nicht Banga.“
„Das ist doch jetzt vollkommen egal.“
Sie wippt nach vorne und wieder zurück. Ohne mich zu hören. Ich lasse sie in Ruhe. So bleiben wir sitzen. Bis sie anfängt, zu reden.
„Wir waren zum Essen verabredet. … Jördis hat sich verspätet. Das war nichts Ungewöhnliches. Eine Dreiviertel Stunde. Sie war beim Sport. Hat ihre Sachen ins Eastern Inn Hotel gebracht. Dann ist sie mit dem Fahrrad zum Restaurant gekommen. Total verschwitzt. Ich habe den ganzen Abend nur von mir erzählt. Von meiner Galerie. Von der nächsten Ausstellung. Ich konnte doch nicht wissen, dass …“
Ich weiß, wie sie sich fühlt. Warum habe ich dir nie gesagt, wie viel du mir bedeutest?
„Sie hat mich getröstet. Mir Hoffnung gemacht. Sie konnte alles hin- und herschieben, bis es wieder einen Sinn ergab. Wir haben in der Q Bar oben im Eastern Inn Hotel noch was getrunken. Auf der halb fertigen Dachterrasse. Bis irgendein Idiot angefangen hat, Bilder zu machen. Der Blitz hat Jördis genervt. Als wir auf unsere Zimmer gegangen sind, war es kurz nach zwölf.“
Es dauert einen Moment, bis ich begreife, dass mich etwas stört.
„Als ihr auf eure Zimmer gegangen seid? Du wohnst in einem Hotel?“
„Unsere Wohnung wird gerade komplett renoviert. Das Hotelzimmer neben Jördis war eine gute Übergangslösung.“
Leo steht auf. Die Badezimmertüre fällt ins Schloss. Ich höre sie weinen. Kurz denke ich darüber nach, zu ihr zu gehen, lasse es dann aber. Es gibt nichts, was ich ihr sagen könnte.
Mein Blick fällt auf das Schachspiel. Ich denke an den Polen. Ich muss ihn anrufen. Sollte ich nach Peking fliegen, muss er sich um den Buchladen kümmern. Er hasst es, wenn ich ihn um einen Gefallen bitte. Aber er kann es mir nicht abschlagen. Das ist meine Rache für unzählige verlorene Schachpartien.
Als Leo aus dem Badezimmer kommt, entkorke ich eine neue Flasche Wein.
„Wenn Annika, unsere Mutter, nicht von China geschwärmt hätte … vielleicht wäre Jördis dann nie nach Peking gegangen.“
„Sai weng shi ma.“
„Hm?“
„Ein Sprichwort. Der Greis an der Grenze hat sein Pferd verloren.“
Ich werfe ihr einen Blick entgegen, der meine Verständnislosigkeit zum Ausdruck bringen soll. Leo schenkt mir ein trauriges Lächeln.
„Ein chinesisches Sprichwort. Fälle keine voreiligen Urteile, ob etwas zum Guten oder zum Schlechten führt.„
„Der Greis an der Grenze hat sein Pferd verloren?“
„Irgendeine alte Geschichte. Nicht so wichtig.“

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